Suchen

(Stand 25.03.2020)

Seit Dezember 2019 hat sich das SARS-CoV-2, mit Epizentrum in Wuhan, China, über die ganze Welt verbreitet. Wir haben, alle uns bekannten Informationen zusammengesammelt und wollen euch hier einen Einblick in die derzeitigen Studien und Erfahrungen über den Krankheitsverlauf bei Transplantierten und immunsupprimierten Personen geben. Alle Originalquellen findet ihr am Ende.

 Durch die Neuartigkeit des Virus gibt es sehr wenige Informationen und Studien und noch weniger in Bezug auf Transplantierte. In den wissenschaftlichen Arbeiten, die uns bisher bekannt sind, wird deutlich darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um erste Erkenntnisse handelt, die im Laufe der Zeit angepasst und verifiziert werden müssen um keine falschen Schlüsse daraus zu ziehen.

In China gab es bisher erst 9 Fälle von Transplantierten, die sich angesteckt haben. Eine erstaunlich niedrige Zahl, da wir durch die Immun-unterdrückenden Medikamente ja zur Hochrisikogruppe zählen.
Fei Li (Union Hospital, Huazhong University of Science and Technology, Wuhan, China) berichtet von zwei Herztransplantierten, die mit dem Virus angesteckt wurden:

Der eine Patient (M, 51, Htx Nov. 2003) zeigte am 23.01 die ersten typischen Symptome: Fieber, Schüttelfrost, Ermüdung, Appetitlosigkeit und Durchfall. Der CRP stieg auf 18,5 und nachdem er auf die Erstbehandlung mit Levofloxacin und Ribavirin (Antibiotikum+Antiviral) nicht angesprochen hatte, wurde er stationär aufgenommen und mit Cortison und Immunglobulin-Infusionen behandelt, gleichzeitig wurde versucht den Spiegel stabil zu halten. Am CT waren bei schlechten Sauerstoffwerten leichte Lungenläsionen erkennbar. Nach Änderung der Medikation auf Moxifloxacin und Arbidol (Antibiotikum+Antiviral, wird bei Influenza verwendet) verbesserte sich sein Zustand nach 5 Tagen. Er konnte am 27.02 das Spital verlassen, nachdem 2 Covid-19 Tests im Abstand von 4 Tagen negativ waren.
Ein zweiter Patient (M, 43, Htx Mai 2017) kam mit leichtem Fieber (CRP 13,3) auf die Ambulanz. Im CT Scan konnten leichte Lungenläsionen erkannt werden. Er wurde in Heimquarantäne geschickt, am 25.01. Am 06.02 wurde im Spital aufgenommen, konnte aber auf Grund seines milden Verlaufes am 11.02 wieder entlassen werden. Er bekam ebenfalls Infusionen und anschließend eine orale Therapie mit Moxifloxacin und Arbidol.
Desweiteren wurde ein dritter Htx-Patient positiv getestet, doch da er derzeit noch in Behandlung ist gibt es über ihn noch keine Informationen.

In China wurden über 200 Herztransplantierte in Studien zu dem neuen Virus einbezogen und Ren Z-L, Hu R, Weng Z-W schreiben in ihrer Arbeit, dass zur Zeit der Studie 4 Patienten unter oberen Atemwegsinfekten litten, 3 davon wurden negativ auf SARS-CoV-2 getestet, dem vierten ging es so schnell wieder gut, dass kein Test gemacht wurde. Sie schreiben (sowie auch Saima Aslam (Division of Infectious Diseases and Global Public Health, University of California, San Diego) und Mandeep R Mehra (Brigham and Women’s Hospital, and Harvard Medical School, Boston, USA), dass viel weniger Htx Patienten infiziert wurden als erwartet und in den wissenschaftlichen Arbeiten wird spekuliert, dass die tägliche Immunsuppression eventuell dafür verantwortlich sein könnte, da es sich gezeigt hat, dass bei schweren Krankheitsverläufen oft eine Überreaktion des Immunsystems großen Schaden angerichtet hat.

Auch bei Lungentransplantierten verhält sich die Situation so. Es sind bisher inoffiziell weltweit fünfCOVID-19-Infektionen bei lungentransplantierten Patienten berichtet worden.
Einer hatte eine milde Erkrankung und wurde ambulant behandelt, zwei Patienten hatte eine Lungenentzündung und werden auf Normalstationen behandelt, zwei Lungentransplantierte hatte eine schwere Erkrankung, von deinen einer die Infektion überstanden hat, ein zweiter ist noch beatmet.
Die deutsche MHH schreibt ebenfalls, dass es laut derzeitigem Stand keine Hinweise darauf gäbe, dass Lungentransplantierte häufiger betroffen wären als Nichttransplantierte.

Im größten, europäischen Lebertransplantationszentrum in Bergamo, im europäischen Epizentrum, der Lombardei, wurden 3 Patienten positiv auf CoViD-19 getestet, keiner hatte Probleme.
In der Htx Abteilung hingegen wird von 14 Fällen berichtet von denen leider 2 verstorben sind und einer instabil. Die sechs beschriebenen Fälle liefen wie folgt:
2 Fälle kaum Symptome, zu Hause beide 3Monate Post-Tx (Komplaktionen bei und nach der Tx)
2 Fälle klassisch beschriebene Symptome mit Fieber und leichtem Husten, hatten Schwierigkeit zu atmen – wurden stationär behandelt.
2 Verstorbenen Fälle: M, 66, Htx 2015
Dr. A. Iacovoni (Heart Transplant Unit, ASST Papa Giovanni XXIII, Bergamo, Italy) berichtet, dass der Patient die Symptome über eine Woche lang ignoriert hat und bereits in einem sehr kritischen Zustand ins Spital kam. Er verstarb 10 Tage nach der Ansteckung.
Der zweite Todesfall: W, 74, Htx 1991 wurde bereits am 25.01 wegen einer starken Abstoßung aufgenommen und hat sich im Spital, nach 2 Zyklen Rituximab und 4x Plasmapherese mit Covid-19 angesteckt und nicht überlebt.

In den USA (Seattle) wird derzeit von 5 Fällen berichtet bei denen Organtransplantierte eine Covid-19 Infektion haben:
M, 54, Ntx 2000
M,67, LTX 2001
W, 53, LuTx 2000
M, 74, Htx 1997
W, 55, Htx 2007

2 davon hatten sehr leichte Symptome und wurden ambulant behandelt, die Anderen wurden im Spital mit ähnlichen Therapien wie bereits in China behandelt. Zum aktuellen Zeitpunkt geht es allen gut und Ajit P. Limaye (Prof. of medicine and laborytory medicine, Director Transplant Infectiuos Deseas Program) spekuliert, dass die Patienten nicht auf Grund der Immunsuppression (alle sehr lange transplantiert und daher sehr geringe Dosen Tacrolimus/Cyclosporin) erkrankt sind sondern auf Grund ihrer Vor- und Nebenerkrankungen. Alle hatten mindestens eine.

Es gibt noch keine medikamentöse Behandlung speziell für dieses Virus, aber in-Vitro gibt es gute Testergebnisse mit Adenosin und Malariamedikamenten (Chlorquine), wie sie auch bei Lupusbehandlungen angewendet wird, da sie die gleichen Teile des Virus angreifen und zerstören.

All diese Informationen sind eine statische Zusammenfassung der derzeit verfügbaren Informationen. Mit jedem Tag werden neue Erkenntnisse hinzukommen, aber die erfreuliche Nachricht ist, dass es derzeit kaum Todesfälle unter betroffenen Tx Patienten gibt, egal welches Organ sie erhalten haben.

Die Reaktion des Körpers von Transplantierten war in den beschriebenen Fällen, die gleiche, die auch ein normaler Körper gezeigt hat. Die Symptome wichen nicht von denen der normalen ab und auch nicht die Laborwerte.
Schließlich kann man in den Arbeiten lesen, dass Transplantierte offensichtlich trotz normalem Lebensstil keiner größeren Gefahr ausgesetzt sind als Nichttransplantierte. Einige führen das darauf zurück, dass Transplantierte generell ein besseres Verständnis für Hygiene haben und daher intuitiv vorsichtiger handeln, während man es gesunden Menschen erklären muss.

Summa summarum: Achtet auf die Hygiene und lasst euch nicht verrückt machen!

 

https://els-jbs-prod-cdn.literatumonline.com/pb/assets/raw/Health%20Advance/journals/healun/Article_1-1584712158327.pdf
https://cardiovascularnews.com/first-report-gives-insight-on-impact-of-covid-19-in-heart-transplant-patients/
https://www.jhltonline.org/article/S1053-2498(20)31468-6/fulltext
https://www.jhltonline.org/article/S1053-2498(20)31468-6/pdf
https://aasldpubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1002/lt.25756
https://www.mhh.de/fileadmin/mhh/pneumologie/downloads/pdf/mhh_ltx_covid19.pdf
https://www.aned-onlus.it/coronavirus-le-indicazioni-per-dializzati-e-trapiantati/
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/ajt.15832
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/ajt.15876
https://onlinelibrary.wiley.com/journal/16006143/covid19
https://www.youtube.com/channel/UCCdviQuz5dEPAjJEkaOAzRA/featured
https://unos.org/covid/

Kontakt

Österreichischer Verband der
Herz- und Lungentransplantierten

Obere Augartenstraße 26-28/II/1.09
1020 Wien

Telefon: +43 (0)1 5328769
E-Mail:

Unser Spendenkonto

Bankverbindung: Erste Bank

IBAN: AT762011128943599100

Folgen Sie uns auf

facebook logo

Zum Seitenanfang